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Bunte Götter – Golden Edition

Bunte Götter – Golden Edition

Bunte Götter – Golden Edition Die Farben der Antike 30.1.2020 – 26.9.2021 DIGITORIAL® ZUR AUSSTELLUNG

Reines Marmorweiß – dies bestimmt das Bild, wenn man heute in einem Museum Skulpturen der griechischen und römischen Antike betrachtet. Doch der Eindruck täuscht. Die Götter- und Heldenfiguren schmückte einst ein prächtiges Farbenkleid! Bis heute ist das jedoch kaum bekannt.

Antike Statuen und Bauwerke stellen wir uns marmorweiß vor. Das ist vertraut und falsch.

Frankfurter Allgemeine Zeitung Die Palette der Antike, von Michael Siebler, 09.01.2006

Der Frage nach der ursprünglichen Bemalung antiker Skulptur widmet sich die Liebieghaus Skulpturensammlung seit vielen Jahren. Sie ist auf dem Forschungsgebiet führend.

Die beiden Archäologen Vinzenz Brinkmann und Ulrike Koch-Brinkmann erstellen Rekonstruktionen, die dem heutigen Betrachter die ursprüngliche Bemalung der Skulpturen lebendig vor Augen führen. Die Erfolgsausstellung „Bunte Götter“ tourt seit 2003 um die ganze Welt und machte bereits 2008 in der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt am Main Station.

Mit bislang noch nie gezeigten Rekonstruktionen und neuen Forschungsergebnissen kehrt die Ausstellung nun zurück nach Frankfurt. In der Gegenüberstellung von Farbrekonstruktionen und ausgewählten Meisterwerken der Liebieghaus Skulpturensammlung wird die Geschichte der farbig bemalten Skulptur erlebbar.

Die Antike war bunt

Die Antike war bunt

Starke Farben, detailreiche Ornamente und unzählige Goldpunkte: Diese Skulptur zog alle Blicke auf sich!

Sogenannter Perserreiter, Athen, um 490 v. Chr. | Experimentelle Farbrekonstruktion des sogenannten Perserreiters von der Athener Akropolis, 2007/2019 Marmor, Akropolismueum, Athen | Vinzenz Brinkmann und Ulrike Koch-Brinkmann, Marmorstuck auf PMMA, Naturpigmente in Eitempera, Blattgold, H. 160 cm, Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main (Leihgabe der Ludwig-Maximilians-Universität, München, Leibnizpreis O. Primavesi 2007)

Von dem Reiterstandbild sind heute nur Fragmente erhalten. Dennoch lässt sich erahnen, wie prachtvoll und beeindruckend es einst auf den Betrachter gewirkt haben muss! Die Skulptur wurde bei Ausgrabungen auf der Athener Akropolis Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt. Wind und Wetter hatten die empfindlichen Farbpigmente, die in der Antike zur Bemalung von Skulpturen verwendet wurden, im Laufe der Zeit zerstört. Bei der Ausgrabung dieses Reiters hatten die Forscher bei der Suche nach Farbspuren jedoch Glück: An seiner Kleidung haben sich ungewöhnlich viele Farbreste erhalten.

Zungenblattornament als Flächenmuster und Mäanderband als Saumornament an der Jacke des sogenannten Perserreiters Athen, um 490 v. Chr., Marmor, Akropolismuseum, Athen

Ein Zeitzeugenbericht zum Fund

Der Künstler Emile Gilliéron dokumentiert im Ausgrabungsjahr 1886 die Ornamente in einer Zeichnung. Er notiert, dass Spuren von Violett, hellem und dunklem Rot, Hellgrün und Blau sichtbar sind. Zur Konservierung der Farbreste wurden sie Ende des 19. Jahrhunderts mit Bienenwachs überzogen. Im Laufe der Zeit dunkelten sie stark nach, doch ist ihre originale Leuchtkraft immer noch gut sichtbar.

Zinkdruck nach Zeichnung der Farbreste am sogenannten Perserreiter von Émile Gilliéron, 1886 Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Hrsg.] Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 6.1891, © Universitätsbibliothek Heidelberg

Die sichtbaren Farbreste zeigen, dass die Kleidung des Reiters stark gemustert ist. Auf der Suche nach weiteren Erkenntnissen wurden in den 1990er- und 2000er-Jahren neue wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte zur Farbigkeit: Das Rautenmuster auf den Hosen war ursprünglich in den kontrastreichen Farben Rot, Blau, Gelb, Grün und Braun gemalt. Der Farbrhythmus des Ornaments wechselt dabei von der rechten zur linken Körperhälfte.

Experimentelle Farbrekonstruktion des sogenannter Perserreiters (Detail) Rückenansicht, Leibnizpreis O. Primavesi 2007

Farbenfrohe Stoffe

Durch die Rekonstruktion der Bemalung wird klar: Die Kleidung des Reiters entspricht den Trachten, die von den benachbarten Volksstämmen im Norden und Osten des antiken Griechenland getragen wurden. Vor allem der Farben- und Formenreichtum der Gewänder der Perser sowie der kriegerischen Reiternomadenvölker der Thraker und Skythen scheint für den Reiter als Vorbild gedient zu haben.

Skythische Textilie (Satteldecke), 5.–4. Jh. v. Chr. Russland, Altai-Gebiet, Staatliches Museum Eremitage, Sankt Petersburg

Den Farben auf der Spur

Den Farben auf der Spur

Dieses ausgefallene Ornament zierte die Kleidung eines Bogenschützen.

Der Bogenschütze aus dem Westgiebel des Aphaiatempels, um 480 v. Chr. | Experimentelle Farbrekonstruktion eines Bogenschützen (sogenannter Paris) im Gewand der Reiter der nördlichen und östlichen Nachbarvölker, aus dem Westgiebel des Tempels der Aphaia, Variante A, 1989-2003 Griechenland, Ägina, Marmor, Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, München | Vinzenz Brinkmann und Ulrike Koch-Brinkmann, Kunstmarmor, Naturpigmente in Eitempera, H. 96 cm, Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, München, Foto: Renate Kühling

Der Bogenschütze ist zwar erstaunlich gut erhalten, doch seine originale Bemalung ist kaum noch sichtbar.